Archiv der Kategorie 'Vertigo'

TERROR & SPIELE. Der internationale Fußball als Laufsteg der Demagogen

Dienstag, 11.10.2011. Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat heute auch das zehnte und letzte Qualifikationsspiel für die Fußball-EM im nächsten Jahr gewonnen und wird ab dem 08.06.2012 in Polen und der Ukraine um den Europameistertitel spielen.
Knapp sechs Stunden vor dem Anpfiff wurde in eben dieser Ukraine die ehemalige Ministerpräsidentin und jetzige Oppositionsführerin Julia Timoschenko wegen angeblicher Selbstbereicherung an Regierungsgeschäften während ihrer Amtszeit zu sieben Jahren Haft verurteilt. – Ein Schauprozess, vergleichbar dem gegen Alexander Chodorkowsky in Russland, der einzig dazu dient, jede Form von Opposition gegen die herrschende Regierungsklasse durch Einschüchterung im Keim zu ersticken.
Die Ukraine: Ein ehemaliger UdSSR-Satellitenstaat, der wie das große Brüderchen nebenan politisch immer noch auf den Spuren Stalins wandelt, obwohl man sich nach außen hin gern mit demokratisch-parlamentaristischen Federn schmückt.
Da passt die Faust mehr als nur aufs Auge, dass die Fußball-WM 2018 in Russland ausgetragen wird. Der internationale Fußball als Plattform für verhuschte Diktaturen. Das ist mal neu. Danke, FIFA, danke, Sepp Blatter.
Dass die Nationalmannschaft von – sagen wir – Nordkorea am internationalen Wettbewerb teilnimmt, bezeichnet ein Entgegenkommen von beiden Seiten: Der eine lässt spielen; und der andere spielt mit. Nordkorea als „Fußballnation“ beugt sich – Politik zuhause hin oder her – den Regeln der Welt.
Wenn jedoch ein diktatorisches Regime mit der Auszeichnung geadelt wird, diese Spiele ausrichten zu dürfen, spielen alle Spieler immer auch für eben dieses Regime. Es gibt Leute, die behaupten, die Ausrichtung eines internationalen Spektakels wie der Fußball-EM in einem demagogisch regierten Land könne dazu dienlich sein, dieses dem Westen und seinem Verständnis von Demokratie gegenüber ein Stück weit zu öffnen. Denkfehler dabei: Das Land – als Mehrheit der Bevölkerung – steht uns zumindest in der Ukraine hochgradig offen gegenüber. Wer hier blockt, ist die Machtelite. Und die interessiert nur der Erhalt der eigenen totalen Macht. Mittel egal. Und wo und wann soll eine solche Machtelite schon mal mit den Mitteln des Sports „bekehrt“ worden sein? Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin? Oder denen 2008 in China? Stattdessen wird auch in der Ukraine einem Regime eine Bühne zur Selbstdarstellung geboten, dem man vernünftigerweise jede Möglichkeit der Profilierung versagen sollte. Von den Milliarden Euro, die nebenbei in die Staatskasse fließen, ganz zu schweigen. Genauso ist es dummes Geschwätz zu behaupten, ein Medienereignis wie die EM richte die Blicke der ganzen Welt auf das Land und trage dazu bei, die dortigen Missstände ans Licht der internationalen Öffentlichkeit zu zerren. Als ob die mich interessieren, wenn ich mit Chips und Bier vor der Glotze sitze und Schweinsteiger und Co. gewinnen sehen will. Und wenn doch mal kritisch hinter die Kulissen geschaut wird. – Nach drei Wochen ist eh alles wieder vorbei. Dann sind die Reporter mit ihren Kameras und Laptops wieder weg. Wenn der Spielvergabe der FIFA eine solche Denke zugrunde läge, hätte man die WM 1990 in Ruanda austragen lassen müssen.
Die EM in der Ukraine wird stattfinden, so viel ist sicher. Selbst wenn dort in der Zwischenzeit ein Bürgerkrieg wie der in Libyen gegen Gaddafi ausbricht. Dafür hängt zu viel Kohle an der ganzen Sache. Aber schöner, besser, freier, gerechter – das alles wird das Land nur durch eine starke Opposition. Und zu dieser tragen der europäische Fußball und die verantwortlichen Entscheidungsträger nicht nur bei der FIFA sicher nicht bei, wenn sie die Tyrannen hofieren und ihre militärische Aufrüstung finanzieren.
Kann man in den nächsten sieben Jahren nochmal drüber nachdenken. Dann geht´s nach Moskau. Dort heißt der Präsident dann wieder Putin. Demokratisch wiedergewählt. Ist schon ausgemacht.

Robert Martschinke

VERTIGO oder: Mondo bulimia (September 2011)

here we are now
entertain us
Nirvana

06.09.2011
In Münster ist die Hölle los. Grund: ein just erschienener Roman, in dem eine fiktive Reinemachfrau über ihr fiktives Liebesverhältnis zum heiligen Kardinal von Galen berichtet. Das Bistum ruft auf zur großen Bücherverbrennung auf dem Domplatz. Der klerikale Ekel ist nachvollziehbar. Die Reinemachfrau ist doch bestimmt schon mindestens zwölf.
Das ist für professionelle Jesus-Jünger ja schon Oma-Sex.

11.09.2011
Große Jubiläumsparty in New York. Ex-Präsident Adolf Bush und sein ansonsten völlig inkompetenter Nachfolger erneuern ihren vaterländischen Schwur, Gottes Willen zu erfüllen und alles Unamerikanische vom Erdboden zu tilgen, so es denn der Erdölförderung im Wege steht. Die haben wenigstens noch Ideale. Es lebe die Freiheit.

18.09.2011
Landtagswahlen in Berlin. Das Schönste sind die blassen Fressen von Rösler, Lindner und Co. (Nach Westerwelle fragt schon lange keiner mehr.) 1,8 (in Worten: einskommaacht) Prozent. Seit der NSDAP nach 1945 ist keine deutsche Regierungspartei in der Wählergunst so abgestürzt; und trotzdem an der Regierung geblieben. Respekt. Und die FDP muss sich diesmal nicht mal umbenennen. Geht auch gar nicht. „CDU“ gibt´s ja schon…

19.09.2011
Nachdem die FDP bei den Landtagswahlen in der Bundeshauptstadt ein letztes Mal Gelegenheit bekommen hat, ihre Bedeutuungslosigkeit zu unterstreichen, fordert Sozenoberplautze Sigmar Gabriel nun Neuwahlen auf Bundesebene.
Ihr seid sooo langweilig. So brechreizerregend langweilig und vorhersehbar. Zieh´ dich aus und wackel´ mit den Titten, Siggi. Vielleicht zieht die Merkel ja nach. Zuzutrauen ist es ihr. Für Deutschland. Für die Menschen. Und vielleicht ist dann tatsächlich mal irgendwo ´n Unterschied zwischen euch erkennbar. Und sei´s auch nur, was die Behaarung angeht.

20.09.2011
Münster ist nicht nur die lebenswerteste Stadt der Welt, sondern auch die leiseste in NRW. Sagt zumindest die Statistik. Zumindest so lange keine Romane über Kardinal von Galen erscheinen. Und uns Omma keine Kohlsuppe mit Zwiebeln zu Mittag hatte…

22.09.2011
1 Uhr MESZ. Das kranke Verhältnis zur eigenen Sexualität zwingt die Amis erneut, einen Neger zu töten. (Ne, nicht Obama. Der ist schon tot.) Troy Davis hat angeblich einen weißen (!) Polizisten erschossen. Im Jahr, als der antikapitalistische Schutzwall fiel. Die dem Gericht vorliegenden „Beweise“ sind ein einziger Witz. Seitdem hat Davis in der Todeszelle gesessen. 12 Quadratmeter, voll einsehbar, Waschbecken, Schreibtisch, Bett, Klo. 22 Jahre.
Definiere „Westliche Zivilisation“.

***

Josef Ratzinger, oberster römischer Hassprediger, darf jetzt auch auf der Giftmülldeponie der bundesdeutschen Demokratie seinen demagogischen frauen-, lesben-, schwulen- und feindlichen Schwachsinn verbreiten. Dreck und Dreck im trauten Stelldichein. Immerhin: Einen, der Stimmen hört, die ihm sagen, dass man für das Benutzen von Kondomen in die Hölle kommt, hatten wir schon lange nicht mehr im Bundestag. Für gewöhnlich landet so was hierzulande in der Geschlossenen. Toll, wie tolerant wir mittlerweile sind. Ratze, anal bis ins Mark, mault, dass die Religion den Menschen heutzutage am Arsch vorbeigeht. Uns kann er damit nicht meinen. Wir sind seit über 25 Jahren treuer Jünger des 1. FC Köln. Was wir in der Zeit allerdings erleiden mussten, dagegen war die Passion Christi ´ne flockige Wellness-Behandlung.

23.09.2011
Texas schafft als erster US-Bundesstaat die sog. „Henkersmahlzeit“ ab. Wer in Zukunft vom Staat ermordet wird, kriegt vorher das gleiche zu fressen wie alle anderen Gefangenen auch. Konsequent. Eigentlich sollte man ihnen 24 Stunden vorher gar nichts mehr zu fressen geben. Erstens ist Fasten gesund; und vielleicht scheißen sie dann bei der Exekution auch nicht ständig den Stahltisch voll, auf dem sie totgespritzt werden.

24.09.2011
Von wegen: Fernsehen macht blöd. Volker Pispers zum Beispiel. Erkenntnis, nachdem man solchen Typen mal zehn Minuten lang zugehört hat: Ohne das Merkel-, Westerwelle- und Ratzegeschmeiss wären diese sog. „Kabarettisten“ gezwungen, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Sieht man Pispers ja schon am Ranzen an, dass er da herzlich wenig Bock drauf hat. Dann lieber heimlich FDP wählen, damit sie ihm als Thema erhalten bleiben. Klar. Würd´ ich genauso machen. Irgendwoher müssen die Liberalen ja auch in Berlin auf ihre 1,8 Prozentpunkte gekommen sein.

27.09.2011
Angela Merkel bescheinigt Phillip Rösler ein (Zitat) „hohes Stehvermögen“. – Ja, ne. Ist aber bestimmt ein nützlicher Gedanke, wenn der Arzt beim nächsten Rundumcheck ´ne Kotzprobe haben will.

28.09.2011
Es ist vollbracht! Das EU-Parlament beschließt, dass in Zukunft Finanztransaktionsgeschäfte versteuert werden müssen. Und das nicht zu knapp. Auf Gewinne aus dem Handel mit Hedgefonds etwa fallen dann 0,1 Promille Steuern an. Die Finanzbranche lacht sich schlapp. Da lohnt sich nichtmal Steuerhinterziehung.
Hitler sind wir los. Dafür haben wir jetzt ein kapitalistisches Regime, das in Sachen Verlogenheit den Nazis in nichts nachsteht. Kosteneffiziente Modifikation: Statt in Auschwitz Zyklon B zu verschwenden, lassen wir einfach in Afrika ein paar Millionen Menschen an Hunger und Seuchen zugrunde gehen. Thinking global. Am Finanzwesen wird die Welt genesen. Heil Euro.

30.09.2011
Zwei Journalisten des SPIEGEL haben herausgefunden, dass Doktor Josef Ackermann jahrelang keine Hundesteuer für Pinscher-Dame Merkel gezahlt hat. Jetzt droht Ackermann eine Anklage wegen Steuerhinterziehung. Besonders prekär: Sollte Ackermann zur Nachzahlung der Steuer verurteilt werden, sehen Börsenexperten die Weltwirtschaft endgültig am Abgrund. Die beiden SPIEGEL-Reporter sind bis auf weiteres beurlaubt.

Robert Martschinke
wird zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

VERTIGO spin-off: Die Schlümpfe in: AUSGESCHLUMPFT. Ein Energiewirtschaftsmärchen.

Das Atomkraftwerk von Schlumpfhausen ist explodiert. Na so was. Über Nacht sind alle Schlümpfe grün geworden und leuchten im Dunkeln. Manche Schlümpfe sind sogar schon grüner als das Laub der Schlumpfhausener Dorfeiche. Nur der Atomstromschlumpf will nicht so richtig grün werden. Au backe. Abweichler mögen die Schlümpfe so gar nicht. Bei ihnen soll immer alles schön einheitlich sein. Schlau wie die Schlümpfe nun mal sind, verpassen sie dem Atomstromschlumpf eine Terawattladung Ökostrom. Da zappelt der Atomstromschlumpf und wird im Nu so richtig schön leuchtend grün. Das liest sich als Pressemitteilung im Wirtschaftsteil dann beispielsweise so:

Montag, 05.09.2011
Die Presseabteilung von RWE meldet, dass der Konzern den Bau von zwei neuen Windparks in NRW plant.
Der Ex-Atomstrom-Monopolist macht sich ans Ökostrom-Monopol. Merkste was? Jürgen „Wehret den Anfängen einer Öko-Diktatur!“ Grossmann wird wahrscheinlich Manager des Jahres. Wenn der so weitermacht, wird er noch Bundeskanzler.

Robert Martschinke
zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

VERTIGO oder: Nach der Sommerpause ist vor der Sommerpause.

Sonntag, 08.05.2011
Jetzt zeigt sich, was in islamischen Ländern abgeht, wenn der Diktator weg ist und die demokratische Freiheit sich entfaltet: In Ägypten brennen die ersten christlichen Kirchen. Das sieht in der Glotze dann aus wie Reichskristallnacht reloaded mit Turbannazis. Spassfaktor: Geht so.

Donnerstag, 26.05.2011
Die Jungs vom Fach vom Universitätsklinikum Münster haben rausgefunden, dass EHEC, nach Rinderwahn, Geflügelpest und Schweinegrippe der neueste Grund zur öffentlichen Panikattacke, dass EHEC also von spanischen Salatgurken kommt.
Dass mir das mal nicht die nächste Schwulenpest wird.

Dienstag, 31.05.2011
Deutschland knippst die AKWs aus. Jürgen Grossmann, Chefpenunzensauger bei RWE, wittert prompt den Aufzug einer „Ökodiktatur“. – Klingt wie Hitler, der vor der moralischen Verkommenheit des Stalinismus´ warnt. Allerdings ungleich schlaffer. Eigentlich komisch. Jetzt wo die Merkel ihn nicht mehr regelmäßig in den Mund nimmt…

Mittwoch, 29.06.2011
Plassberg, ARD, Thema: PID. Präimplantationsdiagnostik. Peter Hintze ist voll dagegen.
Wär´ ich an seiner Stelle auch.

Donnerstag, 11.08.2011
Schluss mit Sommerpause. Jetzt geht auch in England das Volk auf die Straße. Die Aufnahmen von Jugendlichen, die sich mit vermummten Bullen prügeln und Autos in Brand stecken, könnten auch aus Syrien, Ägypten, Tunesien, dem Jemen, Griechenland, Portugal oder Spanien stammen. Premier Cameron hat heute angekündigt, „zur Not“ auch die Armee gegen das eigene Volk einzusetzen.
Hausaufgabe: Definiere Diktator.

Freitag, 12.08.2011
Bundeswirtschaftsminister Brüderle (FDP) kritisiert den massiven Stellenabbau beim Energiekonzern EON. Seiner Ansicht nach habe es das Unternehmen versäumt, sich zeitnah auf dem Markt für erneuerbare Energien zu etablieren.
Das sagt einer, der seiner Klientel noch vor knapp einem Jahr eine Laufzeitverlängerung für ihre AKWs bis zum Jahr 2035 ins Gesetzbuch geschrieben hat.
Hausaufgabe: Definiere Verlogenheit.

Sonntag, 14.08.2011
Bundesentwicklungsminister Niebel (FDP) lehnt eine Aufstockung der Hilfe für Afrika ab. Zitat: „Es geht nicht darum, Menschen kurzfristig vor dem Verhungern zu retten.“ Worum es stattdessen geht, sagt er nicht. Braucht er auch gar nicht.
Hausaufgabe: Definiere menschenverachtendes Stück Scheiße.

Sonntag, 21.08.2011
Die NATO-Truppen in Libyen haben Gaddafi festgenommen. Jetzt soll er sich vor dem EU-Gerichtshof in Den Haag wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verantworten.
Da fremdschämt man sich jahrzehntelang für die verlogenenen Amis, die erst Saddam Hussein installieren, dann jahrelang töfte Geschäfte mit ihm machen und – als er droht, den Ölhahn zuzudrehen – als bösen Menschenfresser zum Abschuss freigeben. Und nun macht´s die EU mit Gaddafi genauso. Auch der hat nämlich gedroht, seine Pipelines trocken zu legen. Und steht nach Jahren der blühenden Geschäftsbeziehungen (auch mit Frau Merkel persönlich) nun plötzlich wegen Folter und Mord vor Gericht. Damit hat sich Brüssel nach der „Euro-Rettungsschirm“ genannten Mästung der internationalen Finanzmärkte nochmals selbst übertroffen. Mittlerweile schämt man sich nicht mehr nur, Deutscher zu sein; mittlerweile schämt man sich schon für diesen ganzen Kontinent.
Manchmal ein mittleres Wunder, dass man sich noch nicht für die ganze Welt schämt. Ist wahrscheinlich nur noch eine Frage der Zeit.

Montag, 22.08.2011
Top-Nachrichtenmeldung des Tages: Gaddafi ist doch nicht festgenommen worden.
Kein Kommentar.

Dienstag, 23.08.2011
Neben Berlin und Hamburg werden nun auch in Düsseldorf vermehrt Autos abgefackelt. Das kurbelt nachhaltig die Binnennachfrage nach dem deutschen Exportschlager Nr. 1 an. Bravo, ihr pyromanen Antikapitalisten.

Montag, 29.08.2011
Guido Westerwelle ist auf dem Sprung. Einer der lächerlichsten und gefährlichsten (Diese beiden Eigenschaften bedingen einander in dieser Berufsgruppe offenbar gegenseitig.) Politiker der bundesrepublikanischen Geschichte steht – deutet man die Zeichen richtig – kurz davor, auch vom letzten ihm verbliebenen Amt, dem des Bundesaußenministers, zurückzutreten. Beziehungsweise zurückgetreten zu werden. Freiwillig ist noch keiner aus der Politik ausgeschieden.
Dass einem Kapital-Feudalisten wie Westerwelle, der die Mehrheit seiner Mitbürger für lebensunwerte Schmarotzer hält und der mit seiner Klientel-Politik der „Demokratie“ in Deutschland in den letzten zwei Jahren wahrscheinlich mehr Schaden zugefügt hat als NPD und Linke zusammen (wofür wir ihm von Herzen danken), und dem naturgemäß nicht daran gelegen sein konnte, gegen einen Diktator wie Muammar Gaddafi aufzutreten, der zwar sein eigenes Volk bestialisch zerfleischt, mit dem sich jedoch hervorragend Geschäfte machen lassen, dass dem gerade letztere Haltung letztendlich das politische Rückgrat bricht. – Das ist – mit Verlaub – dann doch zum Lachen.
Die schwarz-gelbe Koalition indes wird auch an Westerwelles Rücktritt vom Amt des Außenministers ebensowenig zerbrechen wie an allen anderen Rücktritten, die sie bisher verkraften musste. Warum auch? Es gibt nur einen Politiker, auf den sie nimmer verzichten könnte: Angela Merkel. Und die ist mit beiden Arschbacken an ihrem Stuhl festgetackert.

Donnerstag, 01.09.2011
Libyen ist offiziell „befreit“; jetzt geht das Rattenrennen los: Wer darf sich beim „Wiederaufbau“ des Landes dumm und dämlich verdienen? Im Irakkrieg durften die Europäer zwar mitkämpfen, letztendlich wurde das Land jedoch unter U.S.-amerikanischen Großkonzernen aufgeteilt. Desto schärfer ist „Die Alte Welt“ jetzt auf alles, was in, aus und mit Libyen zu holen ist. Um das auszuhandeln, haben Wirtschaftsvertreter von über 60 Nationen aktuell in Paris getagt. (Als sog. „Geberkonferenz“. – Scheisse…) Ergebnis: Obwohl Kanzlerin Merkel den Libyern jede nur erdenkliche „Hilfe“ anbietet, wollen die lieber mit den Franzosen Geschäfte machen. Könnte an Merkels verlogener Fresse liegen. Könnte aber auch am (nicht nur von ihm selbst) falsch verstandenen Pazifismus des damaligen Bundesaußenministers Westerwelle liegen. Tja, Frau Merkel. Wieder wirtschaftspolitisch versagt. Müssen deine Vorgesetzten aus den Führungsetagen der DAX-Unternehmen sich auch weiterhin darauf beschränken, dein Stimmvieh auszubeuten. Sag´ mal: Wie verkauft man das dem Pöbel?
Egal. Ich würd´ übrigens auch keine Geschäfte mit Ihnen machen, Frau Bundeskanzlerin. Da käme nichts bei raus. Wir bescheissen beide wie die Juden.

Freitag, 02.09.2011
Griechenland, mittlerweile bis zum Erbrechen mit „Hilfsgeldern“ gemästet, kommt wirtschaftlich auf keinen grünen Zweig. Anscheinend kann man sich ´ne funktionierende Wirtschaft nicht einfach so kaufen…

Samstag, 03.09.2011
In Libyen beginnt alldieweil nach erfolgreicher Revolution das Große Reinmachen. Bei solchen Gelegenheiten kommen gern mal Sauereien ans Licht, die das Vorgängerregime nicht umsonst unter den Palastteppich gekehrt hat. Zum Beispiel, dass der amerikanische Geheimdienst jahrzehntelang prima mit der Gaddafi-Mafia zusammengearbeitet hat, nicht nur wenn´s darum ging, vermeintliche Terroristen in aller Ruhe zu Tode foltern zu können. Finden die Libyer im Allgemeinen nicht so toll. Wenn die wüßten, wer schon alles mit Muammar im Zelt gesessen und Kamelstutenmilch gesoffen hat. Die würden die NATO-Truppen ganz schnell wieder rausschmeissen…
In Bochum marschieren alldieweil die Nazis auf. Da prügeln die hundertfach aufgefahrenen Polizeikader naturgemäß lieber auf die Gegendemonstranten ein. Gleichzeitig berschwören Politiker (fast) aller Lager ihr Stimmvieh, bei der anstehenden Landtagswahl in Meck-Pomm diesmal nicht wieder so viel die Nazis zu wählen. Heuchelei und Verlogenheit pur. Kühne Idee: Die Nazis wählen, bis sie die Republik übernehmen. Die Nazis den parlamentarisch gestützten Kapital-Feudalismus abschaffen lassen. Und dann die Nazis abschaffen.
Die dämlichen Faschos instrumentalisieren und danach entsorgen. Warum eigentlich nicht? Für irgendwas müssen die doch zu gebrauchen sein.

Sonntag, 04.09.2011
Meck-Pomm hat gewählt. Die FDP hat mit 2,7 (in Worten: zweikommasieben) Prozent nicht mal halb so viele Stimmen bekommen wie die Nazis. Ist zumindest schon mal eine von den beiden Spinnertruppen erledigt.

Montag, 05.09.2011
Zum Zehnjährigen am nächsten Sonntag warnt Innenminister Friedrich mal wieder vor erhöhter Terrorgefahr in Deutschland. Zu recht: Der Terror, wenn die Politprominenz zu solchen Jahretagen vor die Mikrophone tritt und den Mund aufmacht, ist in der Tat bestialisch.

Robert Martschinke
zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

VERTIGO oder: Leichen stapeln sich bis zum Himmel

Samstag, 19.03.2011
Knut ist tot. – Der Welt geilstes Eisbärbaby hat ins Gras gebissen. Wieder einer, der den frühen Ruhm nicht verkraftet hat. Verglüht wie eine Sternschnuppe. Ob und welche Drogen im Spiel waren, soll nun eine Autopsie klären.
Vor vier Jahren, als Knut täglich die Titelseiten beherrschte und der Stefan mit seinem „Schlag‘ den Raab“ anfing, haben wir mal den Vorschlag gemacht, den Knut an seinem ersten Geburtstag gegen den Stefan antreten zu lassen; in einem käfiggesicherten Boxring, nachdem beide vorher zwei Wochen lang nichts zu fressen gekriegt haben.
Jetzt isser tot. Und Justin Bieber sieht auch schon nicht mehr ganz so frisch aus…

Sonntag, 20.03.2011
Alle führen Krieg, nur wir nicht. Frau Merkel mag nicht mitmachen beim großen Gaddafi-Klatschen am Golf. Wär‘ der Guttenberg noch da, stünde die Wehrmacht bestimmt schon am Nil oder Euphrat oder welcher Fluss da gerade durchfließt. Merkel betont indessen, und das wie immer ganz bewußt, daß sie das militärische Vorgehen der NATO begrüßt.
Ja, ne, is‘ klar. Demnächst begrüßt sie übrigens an dieser Stelle… – Aber ne: Das wird noch nicht verraten…

Montag, 21.03.2011
In team: (Der Doppelpunkt gehört zum Titel, also: kein Tippfehler), der Mitarbeiterzeitung der RWE, Ausgabe März 2011, lesen wir auf Seite 12 einen aussagekräftigen Satz: „Man [die RWE] setzt auf die Kraft vernünftiger Argumente, denn Ehrlichkeit und Transparenz braucht die öffentliche Diskussion, die geprägt ist von Emotionen und Dogmen.“
Schau mal einer an.
Die RWE vertreten also die Position, dass mündige Bürger – darunter laut Konzernstatistik zahlreiche RWE-Kunden – ihre Sorgen öffentlich an- und aussprechen, dies so permanent wie kategorisch nur auf eine Art und Weise können oder wollen: verlogen, verschleiernd, ideologie- und triebgesteuert und bar jeder argumentativen Ratio. Ausgerechnet unter Zuhilfenahme letzterer kämpfen die RWE jedoch unverdrossen tapfer weiter für die Wahrheit, sprich: gegen die verlogene, verschleiernde, aus unerfüllten ideologischen Trieben gespeiste Horrormär von der Renditefixierung deutscher Großkonzerne. Ob das allerdings greift beim hirnlos geifernden Janhagel, darf frohgemut bezweifelt werden.
Trostpflästerchen und Hoffnung für Deutschland: Mit den Politikern, die die Agitatoren dieser Volksverhetzung namens öffentliche Meinung gewählt haben, haben nicht nur die RWE bislang stets hervorragend zusammengearbeitet. Zumindest bis auf der anderen Seite der Welt plötzlich das Wetter umschlug.
Mit dem Autor übrigens auch. Was der dabei an Stundenlohn verdient, ist allerdings sogar für diese Kolumne zu heftig.
Aus derselben Ausgabe von team: erfahren wir dann noch nach viermaligem Umblättern, daß bei den diesjährigen Riedener Passionsspielen der Judas von einem RWE-Kollegen verkörpert wird.
Da sag‘ noch einer, es gebe keine Zufälle.

Dienstag, 22.03.2011
Erinnert sich eigentlich noch wer an Christian Wulff?
Der ist amtierender Bundespräsident. – Der von verfassungsgegebenem Amts wegen erste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland, im In- wie im Ausland.
Zuletzt ist Selbiger in seiner aktuellen Inkarnation Christian Wulff öffentlich in Erscheinung getreten am letztjährigen „Tag der deutschen Einheit“, wo er zumindest schlagzeilenmäßig zu punkten wußte mit dem so unlogischen wie grammatikalisch korrekten Hauptsatz „Der Islam gehört zu Deutschland“.
Seither ist Wulff offenbar untergetaucht. Sarrazin-Debatte, Hartz-IV-Reform, Bundeswehr-Reform, die Guttenbergiade, Ägypten, Libyen, Fukushima, die aktuelle AKW-Debatte… – Wo man auch hinsieht: Kein Wulff. Nirgends.
Zugegeben: Keiner vermisst ihn. Zumindest nicht auf der allmonatlichen Lohnabrechnung, Rubrik Abzüge. Lebt der Mann doch seit mittlerweile fast einem Jahr unbehelligt auf unsere Kosten. In einem Schloß in Berlin mit über hundert Zimmern und mehr Angestellten, als Bill Gates gebraucht hat, um Microsoft zu gründen. Oder Osama Bin Laden, um das Feuerwerk vom 11. September zu veranstalten.
Derlei Ambitionen sind Wulff selbstredend fremd. Er ist bescheiden geblieben. Ein Mann des Volkes. Beim Einkaufen im Supermarkt erkennt ihn mittlerweile nicht mal mehr die Kassiererin wieder.
Und wenn er in gut vier Jahren zu seiner Wiederwahl antritt, werden alle sich freuen: Endlich mal ein frisches Gesicht!
Keine Frage: Wulff hat’s raus.

Mittwoch, 23.03.2011
Liz Taylor ist auch tot. Nach Hause geflogen, wo Michael Jackson schon so lange auf sie wartet. Dem Knut den Bauch krault.
Stefan Mappus, amtierender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ist auch tot. Wenn der am kommenden Sonntag wiedergewählt wird, müssen wir Baden-Württemberg bombardieren.
Hat schon seinen tieferen Grund, daß die Kanzlerin ihre Kriegsflieger nicht mit den Elsass-Besatzern in die Wüste geschickt hat.

***

Heute zu Gast bei Plasbergs Polit-Talk im Ersten: Steinmeier, Özdemir, Kauder, Gysi, Homburger. Polit-Trash pur. Thema: AKW, was sonst. Das Niveau ist entsprechend. Am besten schneiden noch Gysi und Homburger ab, ganz einfach, weil sie die meiste Zeit die Klappe halten und den durchschnittlichen Gesichtsausdruck des Publikums imitieren. Höhepunkt der Sendung: ein fiktiver CDU-Reklamestand in einer kotigen westfälischen Kleinstadt namens Münster. Aber die Münsteraner sind schlau. Lassen sich nicht so einfach verarschen. Beziehungsweise doch. Total. Ist aber auch egal. Die Sonne scheint.
Am Aasee wird schon wieder gegrillt. Hundertfach. In kurzen Hosen und mit handgeknüpftem und fair gehandeltem Sonnenhut. Und Pils von LIDL.
Scheiße für die Bäume und Büsche. Die werden jetzt wieder auch von wackeligen Zweibeinern vollgepisst.
Scheiße auch für die Dope-Heads. Kann schließlich jeder vermeintlich besoffene Studi ‚n Bulle in „Zivil“ sein.
Bei Gysi und Kauder schleicht sich irgendwann der Verdacht ein, daß die auf den selben Typ Nutte stehen.
Wie Homburger sieht der allerdings nicht aus.

Sonntag, 27.03.2011
Mappus tot. Nächster!

Sonntag, 03.04.2011
Herr Westerwelle!
Sie?!

Montag, 04.04.2011
… ja, ne, Herr Westerwelle: entweder – oder. Kein Bock mehr auf Parteivorsitz, aber Vizemerkel bleiben? Wo sind wir denn hier? In Libyen?

Dienstag, 05.04.2011
Weg mit dem Frauenverächter! – Merkel hat jetzt ’nen zwanzig Jahre jüngeren. Phillip heißt er. Der Architekt der Gesundheitsreform tritt an, Deutschland und die FDP zu retten. Merkel geht jetzt schon auf Krücken. Dauergrinsend.
Ein jüngerer Partner soll bei alten Frauen auf den letzten Metern ja unter Umständen noch ein letztes Mal ungeahnte Energien freisetzen. Na denn: Bier auf und Chipstüte her. Wir wünschen gute Unterhaltung.

Dienstag, 12.04.2011
Als sie das letztemal hier war, hielt uns der antikapitalistische Schutzwall noch die Billigarbeiter aus Polen und der Ukraine vom Hals: Kaaskopp-Chefmonarchin Beatrix macht Staatsbesuch in Groß-Germania. Und lobt die guten Handelsbeziehungen zwischen den Ländernachbarn. Wir auch. Und unsere Kundschaft am Aasee auch. Peace, Baby!

Montag, 02.05.2011
Osama, the dead terrorist: Der Welt berühmtester Kapitalistenmeuchler und Stadtpanoramenretuschierer ist tot. Die Kapitalisten aus Hollywoodland haben Osama bin Laden in Pakistan aufgegriffen und gleich standrechtlich zurückgemeuchelt. Spielen halt immer noch gerne Wilder Westen, die Amis. Besonders, wenn sie sich im Ausland aufhalten.
Ein Bayer, der sich im Ausland aufhält, spielt derweil lieber weiter finsterstes Mittelalter und erklärt seinen Amtsvorgänger für so was wie ’ne Vorstufe von ’nem Heiligen. Wer gibt, dem wird gegeben, wird sich Bennodetto dabei gedacht haben. Wenn er in den Spiegel kuckt, sieht er wahrscheinlich schon so‘n leichtes Glühen um die eigene Birne.
Bei William und Kate (ein Wochende verheiratet und somit schon 24 Stunden länger als ihrerzeit Britney Spears) hat’s derweil den ersten Ehekrach gegeben. Weil der Bräutigam in der Hochzeitsnacht angeblich zu besoffen war, um einen hochzukriegen. Tja, die Kate wird sich jetzt in so einigen Belangen umgewöhnen müssen. Immerhin: Dies Mal ist William zumindest noch im eigenen Ehebett aufgeschlagen.
Sting trägt neuerdings ’nen Vollbart. Passend zur Musik.
Ob die Merkel wohl rasiert ist? Oder Kate?

Denken wir vorm Einschlafen nochmal drüber nach…

Robert Martschinke
wird zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht