Die Meldung in den Nachrichten spricht von 12 getöteten Soldaten, die bei einem bedauerlichen Zwischenfall von einer Autobombe zerfetzt worden seien.
Die Bundeskanzlerin zeigt sich betroffen und spricht den Hinterbliebenen ihr aufrichtiges Beileid aus. Der Fall zeige, dass es wichtig sei, alle Kräfte für eine Stabilisierung der Lage in diesem umkämpften Teil der Welt zu mobilisieren.
Der Verteidigungsminister erklärt, dass man alle Anstrengungen unternehmen werde, um diesen heimtückischen, abscheulichen Akt des Terrors aufzuklären und die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen zu können.
Der zuständige Oberbefehlshaber der Truppe betont, dass die toten Einsatzkräfte ihrem Vaterland stets treu und verläßlich gedient hätten.
Ein vorgesetzter Offizier verrät den filmenden Journalisten, dass die ermordeten Soldaten prima Kerle gewesen seien … bei den Kameraden beliebt, respektiert und geachtet.
Zwei Experten vom Institut zur Untersuchung des internationalen Terrorismus bestätigen sich gegenseitig, dass die Kämpfe nun in eine neue Phase der Gewalt eingetreten seien und man die weitere Entwicklung genau beobachten müsse.
UN-Generalsekretär und der Papst fordern von allen Beteiligten die Einstellung aller Kampfhandlungen und die sofortige Aufnahme von Friedensgesprächen.
Maybritt Illner und Anne Will diskutieren mit ihren Gästen darüber, ob und wie sich dieser Zwischenfall auf die deutsche Automobilbranche auswirken werde.
Einen Tag später streiten sich die heimischen Gazetten darüber, ob die Bundeswehr dort als Friedenstruppe, Deeskalationsarmee, Stabilisierungspartner, Demokratiebotschafter oder schlichtweg als Invasoren auftritt.
Im Bundestag findet in der darauffolgenden Woche eine Debatte über die Schilderflut im deutschen Straßenverkehr statt. Nach einer Kampfabstimmung steht fest, dass man aufgrund der Klimaerwärmung das Schild „Achtung Rutschgefahr“ vorerst aus dem Verkehr ziehe.
Dieter Bohlen veröffentlicht am selben Tag breit grinsend seinen vierten Bestseller mit dem Titel „Ein Superstar muss Eier haben“.
Die Zeitungen überschlagen sich 12 Tage nach dem Anschlag in ihren Berichterstattungen über die Heiratspläne von Boris Becker.
Zur gleichen Zeit, an einem anderen Ort:
Ein Vater und eine Mutter stehen fassungslos vor dem Grab ihres Sohnes.
Eine Ehefrau bricht zusammen, weil man den Kopf ihres Mannes nach dem Anschlag nicht wieder rekonstruieren konnte.
Ein kleines, blondes Mädchen weint und vermisst ihren Papa.
Drei Männer verkabeln eine Bombe im Kofferraum eines alten Peugeots…

Dominik Bartels