Archiv für Juli 2011

SÜDKURVENSLALOM. In dieser Folge: Der Hennes-Faktor als relevante Größe auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft oder: Hennes macht den Meister. Kein Bock auf Schalke. Klassenkampf. Von notwenigen und hinreichenden Bedingungen. (32. Spieltag dlS)

Ball ist rund.
Spiel dauert 90 Minuten.
Schale geht nach Dortmund.


Steilvorlagen für ’nen wendungsreichen Südkurvenslalom alldieweil, man musse nur gekonnt abzufangen wissen. Los geht’s: Man kann den Kölnern ja ’ne Menge vorwerfen; aber nicht, daß sie ( – Achtung! – ) kein Bock haben.

…???

Okay, dann eben nicht.
Hennes, der Meistermacher: Um Punkt 17 Uhr 9 Minuten und 55 Sekunden legt Novakovic den Gästen aus Leverkusen, die spielen, als hätten sie sich die gesamte Produktpalette ihres Hauptsponsors reingetan, zum zweiten Mal die Kirsche ins Netzchen und kredenzt den Dortmunder Borussen am vorvorletzten Spieltag den siebenten Meistertitel ihrer Karriere. So nett kann man auf Kölle sein. Fast noch netter geht’s auf Schalke zu. Manuel Neuer schleimt sich bei seinem neuen Club in spe ein, indem er viermal das Leder vorbeilässt. Fragt sich nur, ob die Bayern ihn in dieser Form überhaupt haben wollen. Die Gelsenkirchener Mannschaftskollegen machen ihrem Manu den Abschied allerdings nu wirklich nicht schwer: Drei verlorene Spiele in Folge, und eine Wetterbesserung ist nicht in Sicht. Mittwoch gibt’s bei ManU das Championsleague-Aus, und Köln steht auch noch auf der Schalker Agenda. Unter den Augen vom Hennes.
Rein rechnerisch kann Schalke übrigens tatsächlich noch absteigen. Dann müßte Frankfurt jedoch die letzten beiden Spiele mit einem Torplus von 12 Treffern gewinnen. (Klingt erstmal unwahrscheinlich; andersherum: Nächstes Wochenende spielen sie gegen Köln, und die kassieren auswärts gerne auch mal‘n Sechserpack.) Auch Vauwehausen müßte beide Spiele gewinnen, Köln, Bremen und Stuttgart bloß eins (Welches das bei Köln sein wird, dürfte ja wohl klar sein.) und Schalke erwartungsgemäß beide verlieren.
Klassenkampf pur also in der unteren Tabellenhälfte und reichlich Stoff nicht nur für mathematische Kurvendiskussionen. Wir bleiben am Ball. Flachhalten ist alles.
Mal kucken, ob der Lütte sich morgen zur Arbeit kommen traut.

Robert Martschinke, 01.05.2011
zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

SÜDKURVENSPEZIAL. Anlaß: Weißwurst statt Currywurst – Lütte hat ‚n Blues.

Junge, komm‘ bald wieder…
FREDDY QUINN

Mannometer zum Kubik.
Der Lütte is‘ ganz schön angepisst.
Der Lütte is‘ ‚n Kollege und nämlich Schalker.
Und jetzt geht der Manuel Neuer, seines Zeichens Torwart von Deutschland, aber auch von Schalke, jetzt geht der nach zwanzig Jahren bei Schalke, praktisch vonne Vorschul-E-Jugend bis jetzt aktuell UEFA-Semifinale, praktisch von ganz unten bis nach fast ganz oben immer ‚n Schalker, jetzt geht der nach so viel Schalke hin und wechselt zu den Bayern. Findet der Lütte natürlich total pervers. Natürlich zu recht. Zu Bayern gehn is‘ grundsätzlich pervers. Quasi naturgesetzmäßig. Da muss man sogar den Düsseldorfer Toten Hosen was recht geben mit ihrem diesbezüglichen Lied. Kann ja auch der Hennes ’ne Weise von flöten. Schließlich war der Poldi auch mal von Köln weg zu Bayern; wo er sich dann auf der Ersatzbank den Arsch plattgesessen hat. Als er dann nach Köln zurückgeschlichen kam, der Verräter, fanden das in Köln alle janzjanzdoll. Sollte zumindest so aussehen wie wenn. Als ob…
Sei’s drum.
Mal kucken, wie lange ’s dem Manu bei Hoeneß und Konsorten gefällt. Muss ja nicht nur Bälle fangen da, sondern sich auch imagemäßig angelegentlich in so ’ne Krachlederne reintun und sich aufm Oktoberfest zum Schickimicki-Clown machen lassen. Im Zelt von Feinkost Käfer. Weißwurst statt Currywurst. Kann man sich allerdings, was das angeht, ganz gut vorstellen, daß er da ’ne bayernmäßig gute Figur macht, der Manu. Hat zumindest nicht so ’ne Hackfresse wie der Poldi. Der hat ja fast so ’ne Hackfresse wie der Schweini.
Egal.
Was den Lütte angeht, brauch‘ der Manu auf keinen Fall nicht zu Schalke zurückzukommen. Kann man dem Lütte nur memento geben und sagen: Das haben se in Köln zum Poldi damals auch gesagt. Und wie lange is‘ der jetzt schon wieder Hennesianer.
Ja, ne, Lütte, is‘ ja gut, hast ja recht. Ja, ne, is‘ klar, Schalke ist nicht Köln. Weiß ich selber.
In Köln steht übrigens ‚n Bayer im Tor.

Robert Martschinke, 20.04.2011
zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

SÜDKURVENSLALOM. Diesmal: Hennes reloaded oder: ein Bock ohne Schaefer. Das Kölner Tor als Osterkörbchen. Zweitligaträume. Der Manu als Poldi auf Schalke. Ein Wort an ein paar ganz spezielle Leser. (Oder: Honni soit qui mal y pense.) (Sting heißt übrigens Sting, weil er in den Siebzigern immer so‘n SCHWARZGELBgestreiften Pulli anhatte, wodrin er aussah wie ’ne Wespe; sagt man.) (31. Spieltag dlS)

Ball ist rund.
Spiel dauert 90 Minuten.
Alles andere ist Theologie.

Reisen hält jung. Das wissen wir nicht erst seit Einsteins Spezieller Relativitätstheorie (Stichwort: Speziell-relativistische Zeitdilatation), aber: Punkte bringen tut’s noch weniger. Zumindest auswärts greift der Hennes-Faktor munter weiter: Köln, frisch aufs Trainerkarussel aufgesprungen und den Schaefer Frank der Zentrifugalkraft anheimgestellt, kassiert vier Knickeeier ohne Füllung in Vauwehausen und macht eindrucksvoll seine Ansprüche auf einen Abstiegsplatz geltend. (Was die Tordifferenz angeht, sind ’se ja eh schon längste so weit.) Ist es angesichts derartiger Kalamitäten trostspendend, daß Schalke nach dem null zu eins gegen Kaiserslautern rein nominell auch immer noch absteigen kann?
– Nicht wirklich.
Die Fans haben dem Manu die Fahnenflucht ins Zelt von Feinkost Käfer ja angeblich verziehen. Podolski-Syndrom, klare Marie. (Notiz an mich selbst: Lütte Montag damit ärgern. – Ach ne, Montag ist ja frei…)
Dem Manu haben sie vergeben; dem FC Bayern allerdings nicht. Können manchmal ganz schön spitzfindig werden, so Ruhrpottler.
Apropos Schalke: Angeblich gibt’s hier regelmäßig Leser dieser Kolumne, die sind das nur wegen dem gelegentlichen Schalkebashing. Dortmunder nämlich. Tigerentenclub.
Schon erstaunlich, daß ‚n Verein mit schwarz-gelben Farben unter ’ner schwarz-gelben Regierung die besten Aussichten hat, Deutscher Meister zu werden. Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.
Was? CG Jung? Synchronizitätsprinzip? Das könnt ihr eurer Großmutter erzählen. Und außerdem ist die Platte von The Police. Und Sting heißt übrigens Sting, weil… – Ja, da leck‘ mich doch einer…

Robert Martschinke, 24.04.2011
zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht