Archiv für Juli 2011

F 24-Wiedereröffnungsfest am 13. August 2011

Am 13. August wird in der Münsteraner Kulturkneipe Frauenstraße 24 nach zweiwöchiger Renovierung ab dem 30. Juli und Wiederinbetriebnahme der Kneipe zwecks Laufzeitverlängerung der Zapfhähne ab 14 Uhr das Ereignis der Reinkarnation gebührend gefeiert.
U.a. mit Musik von Duo Contraviento und Johnny Ketzel, aber auch mit einigen auch aus der Luftruinen bekannten Autorinnen und Autoren. Wäre schön, wenn wir uns ebendort ebendann sähen.
Bis die Tage, mensch liest sich, Jörg
http://www.f24-kultur.de/

Fotolyrik von Klaus Woestmann

Von unserem Autoren Klaus Woestmann gibt es zur Zeit übrigens eine Ausstellung in der Kulturkneipe Frauenstraße 24 (ebd.) in Münster. Und zwar mit den herausragendsten Werken seiner Fotolyrik (auch eine beliebte Rubrik in der Luftruinen – die Älteren werden sich erinnern;-)). Bis zur Renovierung der F 24 ab dem 30. Juli.
Nähere Informationen erhaltet Ihr auf:
http://www.f24-kultur.de/

VERTIGO oder: Leichen stapeln sich bis zum Himmel

Samstag, 19.03.2011
Knut ist tot. – Der Welt geilstes Eisbärbaby hat ins Gras gebissen. Wieder einer, der den frühen Ruhm nicht verkraftet hat. Verglüht wie eine Sternschnuppe. Ob und welche Drogen im Spiel waren, soll nun eine Autopsie klären.
Vor vier Jahren, als Knut täglich die Titelseiten beherrschte und der Stefan mit seinem „Schlag‘ den Raab“ anfing, haben wir mal den Vorschlag gemacht, den Knut an seinem ersten Geburtstag gegen den Stefan antreten zu lassen; in einem käfiggesicherten Boxring, nachdem beide vorher zwei Wochen lang nichts zu fressen gekriegt haben.
Jetzt isser tot. Und Justin Bieber sieht auch schon nicht mehr ganz so frisch aus…

Sonntag, 20.03.2011
Alle führen Krieg, nur wir nicht. Frau Merkel mag nicht mitmachen beim großen Gaddafi-Klatschen am Golf. Wär‘ der Guttenberg noch da, stünde die Wehrmacht bestimmt schon am Nil oder Euphrat oder welcher Fluss da gerade durchfließt. Merkel betont indessen, und das wie immer ganz bewußt, daß sie das militärische Vorgehen der NATO begrüßt.
Ja, ne, is‘ klar. Demnächst begrüßt sie übrigens an dieser Stelle… – Aber ne: Das wird noch nicht verraten…

Montag, 21.03.2011
In team: (Der Doppelpunkt gehört zum Titel, also: kein Tippfehler), der Mitarbeiterzeitung der RWE, Ausgabe März 2011, lesen wir auf Seite 12 einen aussagekräftigen Satz: „Man [die RWE] setzt auf die Kraft vernünftiger Argumente, denn Ehrlichkeit und Transparenz braucht die öffentliche Diskussion, die geprägt ist von Emotionen und Dogmen.“
Schau mal einer an.
Die RWE vertreten also die Position, dass mündige Bürger – darunter laut Konzernstatistik zahlreiche RWE-Kunden – ihre Sorgen öffentlich an- und aussprechen, dies so permanent wie kategorisch nur auf eine Art und Weise können oder wollen: verlogen, verschleiernd, ideologie- und triebgesteuert und bar jeder argumentativen Ratio. Ausgerechnet unter Zuhilfenahme letzterer kämpfen die RWE jedoch unverdrossen tapfer weiter für die Wahrheit, sprich: gegen die verlogene, verschleiernde, aus unerfüllten ideologischen Trieben gespeiste Horrormär von der Renditefixierung deutscher Großkonzerne. Ob das allerdings greift beim hirnlos geifernden Janhagel, darf frohgemut bezweifelt werden.
Trostpflästerchen und Hoffnung für Deutschland: Mit den Politikern, die die Agitatoren dieser Volksverhetzung namens öffentliche Meinung gewählt haben, haben nicht nur die RWE bislang stets hervorragend zusammengearbeitet. Zumindest bis auf der anderen Seite der Welt plötzlich das Wetter umschlug.
Mit dem Autor übrigens auch. Was der dabei an Stundenlohn verdient, ist allerdings sogar für diese Kolumne zu heftig.
Aus derselben Ausgabe von team: erfahren wir dann noch nach viermaligem Umblättern, daß bei den diesjährigen Riedener Passionsspielen der Judas von einem RWE-Kollegen verkörpert wird.
Da sag‘ noch einer, es gebe keine Zufälle.

Dienstag, 22.03.2011
Erinnert sich eigentlich noch wer an Christian Wulff?
Der ist amtierender Bundespräsident. – Der von verfassungsgegebenem Amts wegen erste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland, im In- wie im Ausland.
Zuletzt ist Selbiger in seiner aktuellen Inkarnation Christian Wulff öffentlich in Erscheinung getreten am letztjährigen „Tag der deutschen Einheit“, wo er zumindest schlagzeilenmäßig zu punkten wußte mit dem so unlogischen wie grammatikalisch korrekten Hauptsatz „Der Islam gehört zu Deutschland“.
Seither ist Wulff offenbar untergetaucht. Sarrazin-Debatte, Hartz-IV-Reform, Bundeswehr-Reform, die Guttenbergiade, Ägypten, Libyen, Fukushima, die aktuelle AKW-Debatte… – Wo man auch hinsieht: Kein Wulff. Nirgends.
Zugegeben: Keiner vermisst ihn. Zumindest nicht auf der allmonatlichen Lohnabrechnung, Rubrik Abzüge. Lebt der Mann doch seit mittlerweile fast einem Jahr unbehelligt auf unsere Kosten. In einem Schloß in Berlin mit über hundert Zimmern und mehr Angestellten, als Bill Gates gebraucht hat, um Microsoft zu gründen. Oder Osama Bin Laden, um das Feuerwerk vom 11. September zu veranstalten.
Derlei Ambitionen sind Wulff selbstredend fremd. Er ist bescheiden geblieben. Ein Mann des Volkes. Beim Einkaufen im Supermarkt erkennt ihn mittlerweile nicht mal mehr die Kassiererin wieder.
Und wenn er in gut vier Jahren zu seiner Wiederwahl antritt, werden alle sich freuen: Endlich mal ein frisches Gesicht!
Keine Frage: Wulff hat’s raus.

Mittwoch, 23.03.2011
Liz Taylor ist auch tot. Nach Hause geflogen, wo Michael Jackson schon so lange auf sie wartet. Dem Knut den Bauch krault.
Stefan Mappus, amtierender Ministerpräsident von Baden-Württemberg, ist auch tot. Wenn der am kommenden Sonntag wiedergewählt wird, müssen wir Baden-Württemberg bombardieren.
Hat schon seinen tieferen Grund, daß die Kanzlerin ihre Kriegsflieger nicht mit den Elsass-Besatzern in die Wüste geschickt hat.

***

Heute zu Gast bei Plasbergs Polit-Talk im Ersten: Steinmeier, Özdemir, Kauder, Gysi, Homburger. Polit-Trash pur. Thema: AKW, was sonst. Das Niveau ist entsprechend. Am besten schneiden noch Gysi und Homburger ab, ganz einfach, weil sie die meiste Zeit die Klappe halten und den durchschnittlichen Gesichtsausdruck des Publikums imitieren. Höhepunkt der Sendung: ein fiktiver CDU-Reklamestand in einer kotigen westfälischen Kleinstadt namens Münster. Aber die Münsteraner sind schlau. Lassen sich nicht so einfach verarschen. Beziehungsweise doch. Total. Ist aber auch egal. Die Sonne scheint.
Am Aasee wird schon wieder gegrillt. Hundertfach. In kurzen Hosen und mit handgeknüpftem und fair gehandeltem Sonnenhut. Und Pils von LIDL.
Scheiße für die Bäume und Büsche. Die werden jetzt wieder auch von wackeligen Zweibeinern vollgepisst.
Scheiße auch für die Dope-Heads. Kann schließlich jeder vermeintlich besoffene Studi ‚n Bulle in „Zivil“ sein.
Bei Gysi und Kauder schleicht sich irgendwann der Verdacht ein, daß die auf den selben Typ Nutte stehen.
Wie Homburger sieht der allerdings nicht aus.

Sonntag, 27.03.2011
Mappus tot. Nächster!

Sonntag, 03.04.2011
Herr Westerwelle!
Sie?!

Montag, 04.04.2011
… ja, ne, Herr Westerwelle: entweder – oder. Kein Bock mehr auf Parteivorsitz, aber Vizemerkel bleiben? Wo sind wir denn hier? In Libyen?

Dienstag, 05.04.2011
Weg mit dem Frauenverächter! – Merkel hat jetzt ’nen zwanzig Jahre jüngeren. Phillip heißt er. Der Architekt der Gesundheitsreform tritt an, Deutschland und die FDP zu retten. Merkel geht jetzt schon auf Krücken. Dauergrinsend.
Ein jüngerer Partner soll bei alten Frauen auf den letzten Metern ja unter Umständen noch ein letztes Mal ungeahnte Energien freisetzen. Na denn: Bier auf und Chipstüte her. Wir wünschen gute Unterhaltung.

Dienstag, 12.04.2011
Als sie das letztemal hier war, hielt uns der antikapitalistische Schutzwall noch die Billigarbeiter aus Polen und der Ukraine vom Hals: Kaaskopp-Chefmonarchin Beatrix macht Staatsbesuch in Groß-Germania. Und lobt die guten Handelsbeziehungen zwischen den Ländernachbarn. Wir auch. Und unsere Kundschaft am Aasee auch. Peace, Baby!

Montag, 02.05.2011
Osama, the dead terrorist: Der Welt berühmtester Kapitalistenmeuchler und Stadtpanoramenretuschierer ist tot. Die Kapitalisten aus Hollywoodland haben Osama bin Laden in Pakistan aufgegriffen und gleich standrechtlich zurückgemeuchelt. Spielen halt immer noch gerne Wilder Westen, die Amis. Besonders, wenn sie sich im Ausland aufhalten.
Ein Bayer, der sich im Ausland aufhält, spielt derweil lieber weiter finsterstes Mittelalter und erklärt seinen Amtsvorgänger für so was wie ’ne Vorstufe von ’nem Heiligen. Wer gibt, dem wird gegeben, wird sich Bennodetto dabei gedacht haben. Wenn er in den Spiegel kuckt, sieht er wahrscheinlich schon so‘n leichtes Glühen um die eigene Birne.
Bei William und Kate (ein Wochende verheiratet und somit schon 24 Stunden länger als ihrerzeit Britney Spears) hat’s derweil den ersten Ehekrach gegeben. Weil der Bräutigam in der Hochzeitsnacht angeblich zu besoffen war, um einen hochzukriegen. Tja, die Kate wird sich jetzt in so einigen Belangen umgewöhnen müssen. Immerhin: Dies Mal ist William zumindest noch im eigenen Ehebett aufgeschlagen.
Sting trägt neuerdings ’nen Vollbart. Passend zur Musik.
Ob die Merkel wohl rasiert ist? Oder Kate?

Denken wir vorm Einschlafen nochmal drüber nach…

Robert Martschinke
wird zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

SÜDKURVENSPEZIAL. Hodie: Theologica fußballerina oder: Wer’s glaubt, wird selig. Vorletzte Antworten.

hennes noster qui est in colonis

Heute inne Fluppenpause mal den Lütte angefragt, wie man eigentlich so‘n Schalker wird, ist ja mal interessant, ist ja logisch, also logisch absolut nicht zu erklären, daß einer so was wird, darauf der Lütte: gar nicht, weil: als Schalker wird man geboren; oder eben nicht. Lassen wir mal so stehen. Und sind mal froh, daß wir nicht als Schalker geboren sind. Fragt sich nur, warum manche als Schalker geboren werden und andere nicht. Am Zodiak kann’s nicht liegen, Lütte is‘ auch ‚n Krebs. Vielleicht isses ja genetisch bedingt. Desoxeribonuklein und so. Sieht man ja immer mal wieder, daß wenn der Vater ‚n Schalker ist, der Sohnemann auch einer ist.
Nu gibt’s natürlich auch kölnbezüglich solche Familienklüngelei; die aber völlig anders generiert ist. Kölner wird man nämlich – so weit unsereins das angeht und versteht – nicht automatisch von Geburt an (außer natürlich, man ist in Köln geboren), sondern durch zwingende Logik. Weil Köln nunmal der beste Verein der Welt ist. Und wenn man das dem Kind frühzeitig (postnatal reicht) ordentlich pädagogisch darlegt und aufzeigt, und es ist verständig und tut nicht verbockt (äh…), dann wird’s natürlich auch ‚n Kölner. Logisch.
Kann man also zusammenfassend mal ganz wertungsfrei jetzt sagen: Die Schalker halten’s wie die Juden, die werden ja auch schon so geboren; die Kölner dagegen wie die Katholiken, die müssen erst getauft werden bzw. gefirmt. Ob’s die Bayern wie die Moslems halten und wie’s die Bayern bzw. Moslems überhaupt halten, kann man an dieser Stelle jetzt nicht sagen, müsste man erst noch erkunden bzw. mal einen fragen.
Daß aber auch ein Schalker, selbst wenn er so geboren wurde, hierzulade immer noch Religionsfreiheit hat und gewissermaßen sozusagen konvertieren kann, das hat ja zuletzt der Neuer Manuel mal angezeigt. Der wird ja jetzt Moslem bzw. Bayer. Obwohl Lütte meint, daß der jetzt Moslem bzw. Bayer wird, das zeigt nur, daß der nie ‚n richtiger Schalker gewesen war.
So ist es letztendlich mit dem Fußball wie in der Theologie: Dogmen, Thesen und Argumente jagen einander übern Rasen auf der Suche nach Ball, Schiri und Tor. Die allerletzten Antworten aber liegen jenseits des Stadions.

Robert Martschinke, 04.05.2011
wird zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

SÜDKURVENSLALOM. In dieser Ausgabe: Fast wie beim Sex: schon fertig, bevor’s überhaupt angefangen hat. Pawlowsche Reflexe. Gender. Ein Gruß ans andere Geschlecht. (33. Spieltag dlS)

Ball ist rund.
Tor ist eckig.
Alles andere ist Geometrie.

Am Wochenende soll’s ja famosigstes Wetter geben. Da hat’s auf Garantie kein Bock (wie man so sagt), sich vorn PC zu setzen und ’ne Südkurve zu fabulieren. Darum haben wir hier einfach schon mal zwei Versionen für alle Fälle vorgeschrieben: eine für wenn Köln gewinnt, die andere für wenn nicht.
Version 1: Köln gewinnt.
Kann man sich ja immer wieder drüber freuen, wenn die Kölnischen auswärts zaubern und die Theorie vom Hennes-Faktor als Schweizer Käse servieren. So auch am Samstag von heute, wo sie den Frankfurtern die Kappe langgezogen haben. Und für nächstes Wochenende wartet auf den Hennes dann ein ganz besonderliches Fresschen: Die Depriritter aus Gelsenkirchen haben sich angekündigt. Da jucken dem Hennes jetzt schon die Geweihspitzen.
Version 2: Köln verliert.
Immerhin. Pünktlich zum nahenden Ende der Saison funkelt die Theorie vom Hennes-Faktor noch einmal in ihrer ganzen logischen und allgemeingültigen Reinheit. Köln kriegt in Frankfurt einmal mehr so richtig die Kappe langgezogen. Und für nächstes Wochende wartet auf den Hennes dann ein ganz besonderliches Leckerli: Die Depriritter aus Gelsenkirchen haben sich angekündigt. Da jucken dem Hennes jetzt schon die Geweihspitzen.
Apropos Schalke: Demnächst ist übrigens wieder Frauenfußballweltmeisterschaft. Kein Scheiß. So was gibt’s wirklich. Das ist Gender (sprich: dschänn-da). Gender besagt, daß Frauen das Gleiche können wie Männer auch (oder immerhin so ähnlich).
Das ist natürlich ganz großer Quatsch. Frauen können keine Kinder zeugen und Männer keine Kinder kriegen. Wenn die Männer die Kinder kriegen müssten, wär‘ die Menschheit längste ausgestorben. Und wenn die Frauen die Kinder zeugen müßten, erst recht.
Daß die deutschen Frauenfußballer immer Weltmeister werden, beweist übrigens nicht, daß die so gut spielen; vielmehr beweist es, daß der Frauenfußball in Deutschland viel mehr gefördert wird wie in der übrigen Welt, beispielsweise im Iran.
Frauen-Formel-Eins gibt’s allerdings auch hierzulande nicht, Gender hin, Gender her. Die sollen erstmal rückwärts einparken lernen.
Dann haut mal rein, Mädels. Aber lasst den Rasen heile…

06.05.2011

Nachtrag 07.05.2011.
Version 1 macht das Rennen: Die Colonier machen in Frankfurt in einem der fußballtechnisch unterirdischsten Spiele der Saison mit einem soliden zwei zu null den Sack zu, überholen mal wieder die Schalkos in der Tabelle und bleiben erstklassig. Die Blauweißen aus Gelsenkirchen dagegen verschlumpfen auch gegen die Gäste aus Mainz. Dem armen Neuer muss bestimmt schon ganz schwindelig sein, so häufig wie der sich in letzter Zeit umdrehen musste. Und nächstes Wochenende wird’s ja auch nicht besser. Neuers Neue dagegen verpassen der Roten Laterne von St. Pauli acht Kirschen und machen so, daß der Hennes nu auch nicht mehr die gruseligste Torbilanz der Liga aufweist. Bedankt, ihr Barzis. Und jetzt wieder raus inne Sonne…

Robert Martschinke
wird zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht