Archiv für April 2011

SÜDKURVENSLALOM. Heute: Sch…mäh. (30. Spieltag dlS)

Ball ist rund.
Spiel…
usw. usf.

Realität ist immer relativ, oder wie der Logiker sagt: Gibt immer ’ne Logik, man muss nur drauf kommen. Obwohl theoretisch völlig unmöglich, siegt Stuttgart auswärts gegen Köln mit drei zu eins. Et tu, Hennes? Wo dran hat’s also gelegen? Wetter war gut. Südkurve war voll. Nordkurve auch. (Von Stuttgart aus ist ja nicht weit.) Schäfer säuft Kaffee ausm Pappbecher. Philosophie ist, wenn man glaubt, dass man’s weiß, obwohl es nix zu wissen gibt. Reden wir also nicht drumrum: Der Hennes hat dies Wochenende wieder richtig scheiße gespielt. Aber so richtig. Also so langsam seh‘ ich schwarz für den Hennes.
Selbst Poldi (!) sagt nach dem Spiel, dass das kein Fußball war, was die Kölner hier heute gespielt haben. Was es stattdessen war, sagt er aber nicht.
Vier Spieltage noch. Drei Punkte bis zu ’nem Abstiegsplatz.
Ein leises Mäh in Richtung Zweite Liga. Scheiße halt.

Robert Martschinke, 17.04.2011
wird zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

SÜDKURVENSLALOM. Heute: Irregularitäten auf Quantenebene verlangen nach einer praktischen Kritik der reinen Vernunft vom Hennes-Faktor. Televisionen. Richard David Precht. Die sieben Kardinalstugenden, erster Teil: Demut. (29. Spieltag dlS)

Ball ist rund.
Spiel dauert 90 Minuten.
Alles andere ist Theorie…

Scheiße. Die Theorie vom Hennes-Faktor ist dahin. Sprichwörtlich für die schrödingersche Katz‘. Köln hat auswärts gewonnen. Far from Hennes.
Andersherum: Gerade von Schrödinger wissen wir, daß in der winzigen Welt der Quantenmechanik so einiges möglich ist. Zumal gegen Mönchengladbach, seines Zeichens fußballerische Grobmechanik sondergleichen.
Vielleicht hat der Hennes sich aber auch das Spiel im Bezahlfernsehen angesehen. Und so weit weg von Köln ist Gladbach ja auch nicht, rein entfernungsmäßig betrachtet. Da kann man von hier aus locker hinspucken.
Dann funktioniert Erwins Zukucktrick also auch via Glotze. Was – wie jede gute Wissenschaft – weitere Fragen aufwirft, zum Bleistift: Macht das auch ’nen Unterschied, ob unsereiner zukuckt oder nicht? Und wenn ja – welchen? Kauft man sich besser ’ne Dauerkarte; oder sollte man sie ganz im Gegenteil schleunigst schreddern? Mit einfachsten Worten: Bin ich Hennes? – Und wenn ja wie viel?
Was? Köln hat gar nicht gewonnen? Eins zu fünf verloren?
Also doch. Hat sich die Theorie vom Hennes-Faktor mal wieder als luft- und wasserdicht bewiesen.
Eins zu fünf gegen den Tabellenletzten. Das zeugt allerdings von Demut. Den Gladbachern selbstlos den höchsten Heimsieg seit fünfzehn Jahren beschert.
Da können sich die Schalker mit ihrem Champions-League-Gepose ruhig mal ’ne Scheibe von abschneiden…
Christkind gespielt im April. Schöne Bescherung.
Wieso spielt Köln eigentlich ständig sonntags?

Robert Martschinke, 10.04.2011
zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

SÜDKURVENSLALOM. Heute: Randale an der Elbe. Oktoberfest am Dom. Und heiter dreht sich das Trainerkarussel oder: die Kreisur vom Quadrat: Hennes goes politics (or not). (28. Spieltag dlS)

Ball ist rund.
Spiel dauert 90 Minuten.
Alles andere ist Theorie…

Sonntag, 18 Uhr, Sportschau im Ersten.
Denkste, jetzt kommt zum tausendsten Mal der arme Linienrichter, der den vollen (!!!) Bierbecher in den Nacken kriegt, und dann das:
Erste Meldung: Guido Westerwelle räumt seinen Posten als Trainer beim FDP. (Einen Tag später wird er auch den Co-Trainer-Posten bei der Nationalmannschaft hinschmeissen.) Ob die Randale in Hamburg schuld ist? Da mussten sie das Freitagsspiel abbrechen, weil die Fans die Spieler und Schiris mit allerlei handlichen, mehr oder minder flugtauglichen Gegenständen befeuert haben. (siehe Bierbecher oben)
Möglicherweise fürchtet die Nationaltrainerin, dass ihr so was auch noch passieren wird. Zumal sie jetzt auch noch eigenhändig einigen Hauptsponsoren ihres Teams den Saft abgedreht hat. Da bringt der Co-Trainer-Wechsel jedoch auch nicht viel, kommt der Nachfolger doch höchstwahrscheinlichst vom selben Verein. Und der spielt mittlerweile bestenfalls noch in der Bezirksliga.
Anyway, wie der Schwede sagt. Was schert den Fan die Vereinspolitik? Hauptsache, das Rundige trifft ins Eckige. Die Kreisur des Quadrats, sozusagen.
Köln gewinnt das Sonntagsspiel gegen Nürnberg bayernmäßig mit einem ranzigen Tor in der Nachspielzeit. Ob die Merkel das auch so hinkriegt, sei mal mehr als dahingestellt. Kein Hennes weit und breit im Kanzleramt.
Von der Schalker Methode sei ihr jedoch erst recht abgeraten: Die Gelsenkirchener gewinnen an diesem Wochenende besagtes Randalespiel auf St. Pauli, ohne es überhaupt zuende gespielt zu haben.
Das hat Merkels Vorgänger auch versucht. Spiel ging dann doch anders aus.

Robert Martschinke, 03.04.2011
zur Zeit noch nicht in der Printausgabe veröffentlicht

Irgendwo / Nirgendwo (Eine Geschichte mit Schlag)

Irgendwo da draußen schlägt ein Herz einen unregelmäßigen Rhythmus an, stockt schließlich ganz und gibt einer Seele die Möglichkeit, aus ihrer erbärmlichen Hülle zu fliehen.

Der Körper, nun leblos, ist nur noch eine leere, schlaffe Hülle, die bald die verzerrten Züge der Leichenstarre tragen wird. Trauer- und Testamentbeteiligte jammern und klagen am Sterbebett, während sie das Erbe kalkulieren und sich ausrechnen, wie viel der Trauer angemessen und würdig erscheint.

Irgendwo dort oben sitzt ein untersetzter Herr auf einer Wattewolke, lässt die Seele in sein Büro bitten und blickt in ihr tiefstes Inneres, um zu prüfen, ob sie für das Paradies hinter dem Schuppen bereit ist und auch die notwendigen Formulare korrekt ausgefüllt hat.

Irgendwo da unten wartet ein anderer Herr darauf, dass die Seele dem da oben als unwürdig erscheint, und säubert sich nebenbei gelassen seine Fingernägel mit einer scheußlichen Pieke.

Er rückt sein Hinterteil auf einem roten Samtkissen bequemer zurecht und zieht die ihm angenehm warme Temperatur von 180 Grad durch seine enormen Nasenflügel ein.

Dazwischen zischen ein paar geflügelte Kastraten hin und her und erzählen komische Dinge über Himmel und Hölle, damit sich die Herren über irgend etwas amüsieren können…

…und…

Mittendrin sitzt der Mensch in seiner Kirche, friert sich den Arsch beim Beten ab und hat vor lauter Angst die Hosen voll, weil ihm sein Arzt von steigendem Herzinfarktrisiko erzählt hat.

AMEN

Sybille Lengauer
aus: Luftruinen-Ausgabe 4, Frühling 2009, siehe Archiv

Wieder natürlich

Wenn ich Bäume sehe,
denke ich an Dich,
denn wegen Dir
stehe ich im Wald.

Wenn ich Gras sehe,
denke ich an Dich,
denn wegen Dir
läge ich gern drunter.

Wenn ich einen Bach sehe,
denke ich an Dich,
denn wegen Dir
gehe ich diesen runter.

Jörg Siegert
aus: Luftruinen-Ausgabe 4, Frühling 2009, siehe Archiv