Archiv für März 2011

SÜDKURVENSLALOM. Heute: Der Hennes-Faktor.

Ball ist rund.
Spiel dauert 90 Minuten.
Alles andere ist Theorie…

Nenenenene. Was ist bloß mit den Kölnern los? Im eigenen Stadion der absolute Kracher, auswärts dagegen jedesmal ´ne Katastrophe. Letztes Wochenende zuhause Hannover vier zu null weggeputzt; und dieses Wochenende in Hamburg gnadenlos zwei zu sechs verloren.
Das gibt zu denken. Zuhause nur Jubel, auswärts nur Kummer. Wer aber steht im kölschen Heimstadion bei jedem Spiel am Spielfeldrand, zeichnet sich auswärts jedoch durch notorische Abwesenheit aus? – Genau:
Der Hennes.
Kann das sein? Das wäre dann der Hennes-Effekt: kein Hennes – kein Sieg. Das wäre dann so ähnlich wie bei Erwin Schrödinger. Der hat mal herausgefunden, dass ein Experiment, also ein wissenschaftliches, anders ausgeht als sonst, bloß weil einer zukuckt. Kuckt einer zu, geht´s anders aus, als wenn keiner zukuckt. Klingelt´s?
Kuckt Hennes zu, gewinnen sie. Kuckt der Hennes nicht zu, verlieren sie. Der Hennes-Faktor, streng wissenschaftlich abgeleitet von Schrödinger. Der hat für seine Erkenntnisse sogar ´nen Physiknobelpreis gekriegt.
Fußball ist eben auch eine Wissenschaft. Quod erat demonstrandum, wie man so sagt.
Dieses Kölsch oder wie das heißt ist aber auch so was von lecker…

Robert Martschinke, 19.03.2011
zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

SÜDKURVENSLALOM. Heute: Die Psyche vom Hennes oder: Shakespeare in der Südkurve oder: Warum wir heute keine Schalker mehr werden. Oder so ähnlich.

Ball ist rund.
Spiel dauert 90 Minuten.
Alles andere ist Theorie…

Als Fuballfan macht man sich ja schon angelegentlich so seine Gedanken. Nicht nur übern eigenen Verein.
Der Hennes zum Beispiel. Der Hennes ist Ziegenbock und das Maskottchen vom 1. FC Köln.
Was der Hennes sich wohl denkt, wenn er alle zwei Wochen neben ´ne Wiese gestellt wird, wo dann elf Typen in Rot auflaufen und nochmal elf Typen in irgendeiner anderen Farbe und danach zweimal 45 Minuten kreuz und quer über besagte Wiese rennen, mit ´nem Ball?
Kann man den Hennes ja auch jetzt nicht so direkt fragen. (Kann man schon, bringt nur nicht viel.) Aber wenn man dem Hennes mal so richtig tief in die Augen schaut, wenn sie ihn kurz vor Spielbeginn von ganz nah filmen, also sein Gesicht, und der Hennes kuckt dann von der riesengroßen Stadionleinwand so in Großaufnahme auf einen runter… – Da fragt man sich schon, was der Hennes sich jetzt gerade wohl so denkt.
Kein Wissen gibt´s, der Seele Bildung im Gesicht zu lesen, wie schon William Shakespeare den König Duncan in seinem Macbeth sagen lässt.
Als die Spieler auflaufen, spielen sie über die Stadionlautsprecher Lady Gaga. Pokerface.
Köln gewinnt an diesem Tag 4:0 gegen Hannover und überholt Schalke.
Hennes hinterlässt am Spielfeldrand genau vier daumendicke Köddel.

Robert Martschinke, 11.03.2011
zur Zeit nicht in der Printausgabe veröffentlicht

VERTIGO – oder: Japaner sind nicht bibelfest

Samstag, 01.01.2011
Um den Zustrom „illegaler“ Einwanderer aus Afrika in die EU zu stoppen, plant die Regierung Griechenlands, die Landesgrenze zur Türkei nach US-amerikanisch-mexikanischem Vorbild komplett abzuzäunen. Für irgendwas muss die ganze Kohle aus dem Euro-Rettungsschirm ja schließlich ausgegeben werden.
Nichts jetzt gegen Ausländer; schon gar nicht die aus Afrika; mit denen ist es nur letztendlich wie mit den Nazis: in Kleingruppen ganz sympathisch; aber wenn sie gebündelt auftreten: Prost Mahlzeit.
Dann zeigt Deutschland wieder sein wahres Gesicht. Und wer will das schon sehen…

Montag, 03.01.2011, 7 Uhr morgens
Endlich wieder arbeiten. Scheiße. Völlig den Rhythmus verloren über all diese mittelalterlichen Feiertage.
Endlich wieder Steuern zahlen. Damit die Merkel dem Ackermann lecker Schnittchen machen kann.
Da weiß man wenigstens, wofür man morgens aufsteht.
Für Deutschland.
Für die Menschen.

Montag, 03.01.2011, 7 Uhr abends
Kriegsdienst ade. – Die Bundeswehr hat ihre letzte Zwangsrekrutierung begangen. Entsprechend angepisst sind die Rekruten. Kopf hoch, Jungs! – Sind doch bloß noch sechs Monate. Und in fünfzig Jahren könnt ihr euren Enkeln erzählen, wie ihr mal von nichts anderem als von impotenten, unzurechnungsfähigen, rassistischen Idioten umgeben wart.
Oder ihr verpisst euch nach Afghanistan und sorgt dafür, dass eure schützenswerten Landsleute auch in Zukunft billig tanken können.

Sonntag, 23.01.2011
Sylvester reloaded: In Becherbach, einem ansonsten völlig bedeutungslosen Kaff in Rheinland-Pfalz, hat die Polizei mehrere Tonnen illegal gehorteten Sprengstoff gezündet. Kontrolliert, auf einem Acker. „Pulver-Kurt“, ein zweiundsechzigjähriger Rentner, hat über Jahrzehnte unbemerkt fleißig gesammelt und gebunkert.
Wieso ist eigentlich seinerzeit die Sauerland-Gruppe aufgeflogen?
Vermutlich wegen der Bärte.
Gott schütze uns vor der Polizei…

Mittwoch, 26. Januar 2011
Letztes Jahr die Katholische Kirche, dieses Jahr der Kommiss. – Auch bei der staatseigenen Studentenverbindung für Hauptschulabbrecher geht´s angeblich plötzlich drunter und drüber.
Dabei weiß jeder ehemalige Rekrut: Die Bundeswehr ist zum Saufen da, und das einzig Lebensgefährliche ist der Kamerad, der seine Waffe reinigt.

Donnerstag, 27. Januar 2011
Holocaust-Gedenktag.
Auch ein Grund zum Saufen.

Dienstag, 8. Februar 2011
Die Merkel sieht auch jeden Tag beschissener aus. Hat’s aber auch nicht leicht, die Arme. Ständig hacken irgendwelche verpeilten Arschlöcher auf ihr rum, denen Menschen und ähnlicher Scheiß wichtiger sind als Kohle und Macht, die doch nur versucht, diesen Saftladen namens BRD irgendwie am Laufen zu halten. (…und ja: Dieser Satz ist grammatikalisch korrekt.) Wenn bloß nicht immer diese scheiß Wahlen wären.
Das ist der Vorteil in Diktaturen: Die Volksvertreter können sich konzentriert dem Wohl des Volkes widmen, ohne ständig den Fascho raushängen lassen zu müssen, um vom gemeinen Janhagel nochmal wiedergewählt zu werden.
Die Tunesier wollen jetzt auf dieses Privileg verzichten. Die Ägypter auch. Und noch so manch anderes Völkchen im nichteuropäischen Mittelmeerraum.
Wer mal eine Ahnung kriegen will, was da hinten bei rauskommt, dem sei ein Blick in die bundesdeutsche Geschichte gewährt.
Als auf den Trümmern der Hitler-Diktatur die Bundesrepublik Deutschland erbaut wurde, wurde peinlichst genau darauf geachtet, daß keine ehemaligen Nazi-Kader mitmischten. Alle Volksvertreter werden seither streng demokratisch von einem sorgsam entnazifizierten, friedliebenden Volk gewählt. Die Information des Wählers wird seitdem von einer freien Presse gewährleistet, allen voran Deutschlands auflagenstärkste Tageszeitung. Durch all diese Vorteile der verfassungsgegebenen Demokratie haben wir heute eine Regierung, die man sich als denkender Mensch bestenfalls als Notbesetzung fürs RTL-Dschungelcamp vorzustellen vermag.
Einen verpeilten, verlogenen, gierigen und skrupellosen Demagogen in die Wüste zu schicken, mag an sich ´ne feine Sache sein. Aber wählt anschließend erstmal einen Besseren.

Donnerstag, 03.03.2011
Der Kriegsminister hat bei seiner Doktorarbeit geschummelt. Dieser Lümmel. Geschenkt. Macht ihn auch nicht sympathischer.
Die Hartzies kriegen acht Euro mehr. Auch geschenkt. Irgendwie.
Acht. Aufn Kopp. Keine Centbeträge. Geil, oder? Muss am Euro liegen. Ist echt ´ne Bombenwährung.
Deutschland: auch 2011 eine einzige Beleidigung für den gesunden Menschenverstand.
Das ist wiederum das Gute an den Volksaufständen in Ägypten und Umgebung: Die Abendnachrichten sind voller Ausland, kaum noch Platz fürs bundesdeutsche Politgewürge.

Sonntag, 13.03.2011
Das ist Wasser auf den Mühlen aller Atomkraftgegner: Nach dem Monster-Tsunami droht in japanischen AKWs die Kernschmelze. Der Super-GAU.
Da freuen sich die Anti-AKWler. Weil sie jetzt wieder mit dem Finger wedeln und sagen können: Jaja, wir haben´s ja immer gesagt…
Aber auch andere freuen sich. Die Merkel zum Beispiel. Seit das Land der Kirschblüte in Trümmern liegt, ist wenigstens das BUNTE-Covergirl mit der gefälschten Doktorarbeit aus den Schlagzeilen raus. Und Atom-Merkel, die letzten Herbst noch der gesamten Kernkraftbranche bis zum Verschwinden in den Arsch gekrochen ist, macht sich plötzlich Gedanken über die Sicherheit der AKWs in Deutschland.
Und auch die deutsche Wirtschaft freut sich, ist sie doch ab jetzt wieder bis auf weiteres die drittgrößte der Welt.
Die Japaner tun einem natürlich schon ein bißchen leid. Auch der Merkel. Aber wie heißt es schon in der Bibel: Du sollst dein Haus auf festem Boden bauen.
Das gilt erst recht für AKWs.

Robert Martschinke
zur Zeit noch nicht in dem Printmedium veröffentlicht

Und dann war da noch…

…Muammar Gaddafi, über den wir uns an dieser Stelle vor ziemlich genau einem Jahr schon mal Gedanken gemacht haben. Muammar erlebt gerade den bösesten Alptraum eines jeden Diktators: vom eigenen Volk gefickt zu werden. Und jetzt findet ihn auf einmal auch die UNO scheisse.
Tja, Mummi. Undank ist der Welt Lohn. Gestern noch Kamelstutenmilch mit dir gesoffen, und heute fordern sie deinen Kopf. – So ist er, der Westen. Damit du das nicht falsch verstehst: Wir finden dich auch weiterhin dufte. Mann, was haben wir gelacht. Aber du bist leider nicht mehr kreditwürdig. So einfach ist das. Ist echt nicht persönlich jetzt.
Scheiss Kapitalismus.
Du sagst es.

Robert Martschinke
zur Zeit noch nicht in einer Printausgabe veröffentlicht

Vertigo – März01

Den sogenannten „Linken“ geht’s doch letztendlich nur um Randale. Hat man ja neulich in Dresden wieder gesehen.
Oder wie zuletzt in Ägypten.
Linke Muselmanen. – Daß ich nicht lache. Und was haben sie da mit ihrer Randale bewirkt? – Das Militär musste die Regierungsgeschäfte übernehmen. Bravo. Reihenweise selige linke Gesichter.
Hierzulande ist es ja Gott sei Dank noch nicht so weit. Da beschränken sie sich darauf, Castor-Transporte unnötig zu behindern, was nur Steuergelder kostet, die sie selbst selbstverständlich nicht zahlen. Oder sich sehenden Auges in Märtyrerpose vor ihretwegen auf Steuerzahlerkosten aufgefahrene Wasserwerfer zu werfen, wenn ein maroder schwäbischer Bahnhof renoviert werden soll.
Sei’s drum. Was die Linke in Deutschland zu melden hat, sieht man ja an der Partei gleichen Namens. Die wissen auch nicht, was sie wollen. Außer Randale natürlich.
Ist mal wieder wie beim Fußball: Es gibt die friedliebenden Zuschauer, die bloß ihre Mannschaft spielen sehen wollen; und es gibt die unbelehrbaren Hooligans.
Nicht nur beim FC Bayern München geniessen notorische Hooligans Stadionverbot. So weit sind wir auf Bundesebene leider noch nicht.

Dann lässt man sich mal auf eine sogenannte „Diskussion“ mit so einem Hool… ach, ne: „Linken“ ein, und dann heisst es: Kapitalismus ist scheisse. Imperialismus ist scheisse. Und Gewalt ist total scheisse, und am scheissesten ist sie natürlich, wenn sie vom bösen Staat ausgeübt wird.
So‘n Linken möcht‘ ich mal sehen, wenn er’s mit ’ner Gruppe schlecht gelaunter Nazis zu tun bekommt. – Wie laut der plötzlich nach der Polizei schreit…
Und natürlich kaufen Linke nicht bei ALDI oder LIDL ein. Fressen keine Bananen aus Nicaragua. Und tanken an der Tankstelle nur in Deutschland geförderten Sprit. Und freuen sich wie Bolle über jeden aus dem kapitalistischen Knast befreiten Kinderficker, der in der Nachbarschaft einzieht.
… Aber die kapitalistische Regierung ist ja so was von verlogen.

Also bitte.

Am schlimmsten sind übrigens die sogenannten „Marxisten“. Derer Hauptkritikpunkt am sogenannten Kapitalismus: die sogenannte „Akkumulation des Kapitals“. Einzige für den Marxisten vorstellbare Gegenmaßnahme: die sogenannten „Produktionsmittel“ den sogenannten Arbeitern zum Besitz zu machen.
Dann gehört dem Chirurgen das Skalpell. (Hoffentlich putzt und schleift er es auch regelmäßig.)
Jeder Nutte gehört ein halbes Bett im Bordell. (Immer frisch bezogen.)
Und jedem, der für RWE in einem Callcenter schuftet, gehört eine Handvoll Brennstäbe aus einem halben Dutzend Atomkraftwerke.

Prost Mahlzeit. Es macht durchaus Sinn, daß manche Menschen anderen was zu sagen haben. Wer behauptet, daß wir nur von Idioten regiert werden, sollte mal in eine Klapse gehen. Und wer behauptet, daß Kapitalismus scheisse ist, darf mir gerne sein Geld schenken. Ich nehm‘ auch Kleinstbeträge.
In Ägypten haben sie Mubarak weggeekelt. Dann kam Guido Westerwelle, um zu gratulieren.
Weg war’s, das selige Lächeln.
Ihnen schwant noch gar nicht, was ihnen jetzt blüht…

***

Alldieweil erregt sich ganz Deutschland über den Kriegsminister. Daß der eigentlich viel zu blöd ist für ’nen Doktortitel, stand ja schon lange fest. Daß er lügt wie gedruckt auch. Schwamm drüber. Die Deutschen haben ihn trotzdem lieb. Sagt BILD. Da zeigen sie Größe, die Deutschen. Fragt sich nur, worin.

Robert Martschinke
zur Zeit noch nicht in einer Printausgabe veröffentlicht